1 Grundlagen der Körpersprache

                   2 Einflüsse auf die Körpersprache

                        2.1 Individuelle Einflüsse

                        2.2 Kulturelle Einflüsse

                   3 Bedeutung nonverbaler Kommunikation

                   4 Differenz verbaler und nonverbaler Kommunikation

                   5 Elemente der Körpersprache

                        5.1 Körperhaltung und -bewegung

                        5.2 Räumliches Verhalten

                             5.2.1 Intimzone
                             5.2.2 Persönliche Zone
                             5.2.3 Soziale Zone
                             5.2.4 Öffentliche Zone

                        5.3 Mimik

                        5.4 Gestik

                             5.4.1 Äußere Erscheinung
                             5.4.2 Gesten

                        5.5 Blickkontakt

                        5.6 Tonfall

                   6 Inkongruenz

                   Hausarbeit Körpersprache

                        1 Grundlagen der Körpersprache

                   Körpersprache ist eine Komponente zwischenmenschlichen Verhaltens, die menschliche
                   Beziehungen - ohne Sprache, bewußt und unbewußt - aufrechterhält und steuert.
                   Körpersprache umfaßt Körperbewegungen, Gesten, Mienen, Haltungen und Handlungen
                   sowie die Position im Raum (zueinander), auch der Tonfall zählt teilweise zur
                   Körpersprache. Als Teil der nonverbalen Kommunikation gewährleistet die Körpersprache
                   vor allem Informationen auf der Beziehungsebene.

                   Durch das Verhalten, die Haltung von Armen und Beinen, durch den Ausdruck der Augen,
                   der Mundwinkel oder der Hände verraten Menschen eine Menge über Gedanken,
                   Seelenleben, Ängste und Begierden. In einem sehr weiten Sinne gehören auch
                   Eigenschaften wie Körperfülle, Kleidung, Stimme, Frisur und sogar Details des Gesichts zu
                   den Informationsquellen, aus denen man auf Charaktereigenschaften oder Stimmungen
                   schließen kann. All das nennt man Körpersprache.

                   Entscheidungen und Verhalten werden nur zum Teil bewußt gesteuert. Sie werden vom
                   Unterbewußtsein und von vielen Kleinigkeiten, die oft dem Gefühl zugeschrieben werden,
                   angetrieben. Die Körpersprache von Kommunikationspartnern reflektiert und beeinflußt das
                   Verhalten.

                   Der wissenschaftliche Fachbegriff ist ,,Kinesik". Kinesik ist ein Teilbegriff der Kommunikation
                   innerhalb des Wissenschaftszweigs Sozialpsychologie. Die Erforschung nonverbaler
                   Kommunikationsweisen hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen.
                   Verschiedene Studien haben die Bedeutungen der Körpersprache untersucht.

                   Die Körpersprache untergliedert verschiedene Teilbereiche nonverbale Kommunikation:

                        - Mimik,
                        - Gestik,
                        - Blickkontakt,
                        - räumliches Verhalten (Nähe/Distanz) sowie
                        - Tonfall.

                   Viele der Verhaltensmuster werden nach Ansicht von Anthropologen und
                   Verhaltensforschern genetisch weitergegeben. Nach ihrer Ansicht ist Körpersprache ein
                   überlieferter Code, der die Funktion hat, menschliche Beziehungen zu regulieren,
                   Machstrukturen aufrechtzuerhalten und die soziale Ordnung zu festigen. Beispielsweise ist
                   das Heben der Augenbrauen ein ,,internationaler Standard" für einen Ausdruck des
                   Erstaunens; das gleiche Verhaltensmuster findet sich aber auch bei Primaten. Und das
                   seitliche Neigen des Kopfes um vom Gegenüber etwas zu erbitten, das sowohl bei
                   Kleinkindern als auch bei Erwachsenen zu beobachten ist, versteht und gebraucht
                   beispielsweise auch ein sehr entfernter Verwandter: der Hund.

                   Die psychologische Forschung greift die Ansicht auf, daß die gesprochene Sprache dem
                   Ausdruck von Gedanken dient und der Körper das Ausdrucksmittel für Emotionen ist. Sie
                   ordnet bestimmten körperlichen Ausdrucksverhalten eine psychologische Bedeutung zu
                   (Psychodynamik).

                   Trotz erheblicher gesellschaftlicher und kultureller Unterschiede gibt es einheitliche
                   Grundreaktionsmuster. Zu diesen angeborenen Primär-Affekten zählen vor allem mimische
                   Ausdrücke, beispielsweise von Freude, Trauer, Angst, Zorn, Ekel. Im Laufe der Sozialisation
                   des Kindes und dem Bewußtwerden der eigenen Signalwirkung wird die Mimik allerdings
                   verstärkt kontrolliert, deswegen zählt die Mimik eines Menschen für gewöhnlich nicht zu
                   den ausdrucksstarken und ,,ehrlichen" Merkmalen nonverbale Kommunikation.

                        2 Einflüsse auf die Körpersprache

                        2.1 Individuelle Einflüsse

                   Daß das Denken einen Einfluß auf die Körpersprache hat, erscheint logisch: Je nachdem,
                   welcher Erfahrungsprozeß durchlaufen wurde und wie gefestigt und konkret das
                   persönliche Weltbild ist, prägt genau diese Haltung auch die Körpersprache. Ebenso
                   beeinflussen Urteile oder auch Vorurteile über den digitalen (gesprochenen) Inhalt den
                   analogen (körpersprachlichen) Inhalt.

                   Die Macht der Erwartungen, die man an einen anderen Menschen stellt, ist so groß, daß
                   durch sie alleine schon dessen Verhalten beeinflußt werden kann. Man nennt dies eine sich
                   selbst erfüllende Prophezeiung: Was man einem Menschen zutraut, entscheidet manchmal
                   auch über seinen Werdegang.

                   Natürlich gibt es gewisse Gewohnheiten, die berücksichtigt werden müssen. Ein
                   Berufssoldat oder ein Hotelportier haben ihre Prägungen erhalten, der eine durch eine
                   funktionale, präzise Form des Auftretens und Bewegens, der andere durch ständiges
                   Zurschaustellen von Zuvorkommenheit und Höflichkeit. Das jahrelange Unterdrücken bzw.
                   Vorspielen von Körpersprache hat hier natürlich Gewohnheitsrechte erwirkt.

                        2.2 Kulturelle Einflüsse

                   Je nachdem, wie differenziert, kompliziert oder einfach eine Sprache aufgebaut ist, hat
                   dies konkrete Auswirkungen auf den nonverbalen Anteil. Bei einer stereotypen, wenig
                   differenzierenden Sprache steigt die Bedeutung der Körpersprache. Besonders wird dies bei
                   den - Geheimcodes gleichenden - ausschweifenden Gesten deutlich, die jugendliche Gangs
                   benutzen, um zwischen Stereotypen wie ,,cool" und ,,Alter" kommunizieren zu können. Im
                   Gegensatz dazu ist im japanischen Alltag der nonverbale Anteil gering ausgeprägt, da
                   neben der traditionell geforderten Zurückhaltung der stark nuancierte Sprachschatz ein
                   Höchstmaß an Konzentration erfordert.

                   Es gibt auch nationale Unterschiede. Beispielsweise sitzen amerikanische Männer oft mit
                   übereinandergelegten Beinen, wobei der Unterschenkel eines Beins quer über dem Knie des
                   anderen liegt. Die Sitzhaltung mitteleuropäischer Männer mit geschlossenen Oberschenkeln
                   empfinden Amerikaner eher als ungewohnt.

                   Hinzu kommen Unterschiede zwischen Mann und Frau, Erwachsenen und Kindern,
                   Unterschiede, die sich aus Status und Rolle einer Person erklären. So nehmen z. B. Männer
                   in ihrer Sitzhaltung und ihrer gesamten Gestik mehr Raum ein als Frauen.

                   Desweiteren hat jeder Kulturkreis eigene Körpersprachregeln entwickelt. Ein deutliches
                   Beispiel dafür ist das (vertauschte) Kopfnicken/-schütteln zur Verneinung/Bejahung in
                   Bulgarien, das Gäste des Landes regelmäßig in Zweifel über den Wahrheitsgehalt verbaler
                   Aussagen der Einwohner geraten läßt.

                   Verschiedene körpersprachliche Elemente haben sich durch ihre Weiterverbreitung
                   international durchgesetzt. Das beste Beispiel ist das ,,Victory"-Zeichen (Zeige- und
                   Mittelfinger der sonst nach vorn geschlossenen Hand nach oben zum ,,V" gestreckt) sein:
                   Dieses Symbol dürfte selbst Angehörigen der Inuit oder Massai bekannt sein.

                        3 Bedeutung nonverbaler Kommunikation

                   Nonverbale Kommunikation unterliegt aufgrund ihrer genetischen und kulturellen Wurzeln
                   weitaus weniger der bewußten Kontrolle als die verbale. Zumeist dient sie der
                   Unterstreichung der gewählten Worte, oder sie bietet eine Alternative, wenn die
                   gesprochenen Worte nicht ausdrucksstark oder differenziert genug erscheinen. Teilweise
                   wird auch bewußt auf die Körpersprache zurückgegriffen.

                   Bis heute gibt es kein zuverlässiges Standardlexikon der Körpersprache. Sie wird zwar in
                   ihrer Komplexität immer wahrgenommen, weil jeder Mensch angeborene und erlernte
                   Interpretationsfähigkeiten besitzt. Es ist aber nur selten möglich, einem einzelnen Signal
                   einen konkreten Sinngehalt zuzuordnen.

                   Bei der Analyse einzelner Reaktionen und einzelner Verhaltensweisen wendet man sich den
                   einzelnen Körperteilen zu: den Augen, dem Kopf, Mund, Nase, Augenbrauen, Schulterpartie
                   und Oberkörper, der Haltung von Beinen und Füßen beim Sitzen, der Haltung der Hand und
                   der Finger.

                   Aber es geht beim Verständnis der Körpersprache nicht nur um wenige Grundregeln,
                   sondern um das Zusammenwirken vieler Einzelheiten. Das Thema Körpersprache umfaßt
                   verschiedene psychologische Bereiche: Persönlichkeit, Kommunikation, Instinktverhalten,
                   Aggressivität und Affektivität. Nur durch sorgfältiges Beobachten des situativen Umfeldes
                   kann der Gefahr grober Mißdeutungen begegnet werden.

                   Es mag sein, daß Körpersprache sehr eindeutig ist, aber sie ist gewiß nicht eindeutig zu
                   deuten. Dazu kennt man in jeder Situation einfach zu wenige Details. Verschiedene
                   Menschen verhalten sich nicht zwangsläufig gleich.

                   Sowohl im Privatleben als auch im Beruf kommt es nicht nur darauf an, was jemand sagt,
                   sondern auf die unbewußten Signale seines Körpers. Diese sind oft ehrlicher; und man sind
                   auch bereit, diesen Signalen - wiederum unbewußt - viel mehr Glauben zu schenken. Es ist
                   wichtig, solche Signale richtig zu deuten.

                   Körpersprache bewußt einzusetzen, ist gewiß von Vorteil. Aber es funktioniert nur, wenn
                   es perfekt gemacht wird. Ein aufgesetztes Lächeln oder widersprüchliche Signale sind
                   leicht erkennbar. Wer Offenheit demonstriert und dabei bewußt lügt, erzeugt in sich einen
                   Widerspruch, der sich in gegensätzlichen Signalen niederschlägt. Je mehr jemand ,,er
                   selbst" ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, daß man bei ihm Signale registriert,
                   die inkongruent zu seiner Person sind.

                   Für denjenigen, der Körpersprache verstehen will, gilt immer: Jemand, der sich seiner
                   eigenen körpersprachlichen Signale nicht bewußt werden kann, wird die Signale anderer nie
                   sehr exakt registrieren können und je mehr Einfühlungsvermögen ein Mensch in die eigene
                   Gefühlswelt hat, desto mehr wird er auch für die anderer entwickeln können.

                        4 Differenz verbaler und nonverbaler Kommunikation

                   Es gibt immer zwei Kommunikationsebenen:

                        - verbal (Inhaltsebene): Der Inhalt einer Information wird durch das gesprochene
                        Wort vermittelt.
                        - nonverbal (Beziehungsebene): Das subjektive Erlebnis dieser Gesprächssituation
                        und die Gefühle und Einstellungen, die man mit dieser Information verbinden,
                        artikulieren man selten durch Worte, aber sie sind in unserem Körperverhalten durch
                        bestimmte Signale erkennbar.
                        - Signale der Inhaltsebene liefern Information, während Signale der Beziehungsebene
                        Informationen über die Information selbst liefern.
                        - Signale der Inhaltsebene können um so besser verstanden werden, je positiver die
                        Beziehung der Gesprächspartner verläuft.
                        - Signale der Inhalts- und Beziehungsebene sind entweder kongruent oder
                        inkongruent.

                   Im Gegensatz zur verbalen, gesprochenen Sprache fehlt der Körpersprache das Alphabet.
                   Es ist nicht möglich, jeder Verhaltensweise, d. h. jedem ,,Wort" der Körpersprache eine
                   universelle, in jedem möglichen Kontext identische Bedeutung zuzuordnen. So kann
                   beispielsweise in unterschiedlichen Situationen intensiver Augenkontakt als bedrohlich oder
                   aber als Zeichen von Anziehung gewertet werden.

                   Weiterhin sind Menschen unterschiedlich gut mit der Fähigkeit zur Körpersprache
                   ausgestattet. Zusätzlich kann die Körpersprache bewußt übertrieben oder blockiert
                   werden.

                   Im Extremfall kann eine übertriebene Körpersprache die verbale Kommunikation vollständig
                   ersetzen. Dies ist z. B. bei der Pantomime und der Gebärdensprache zwischen
                   Hörgeschädigten der Fall.

                   In der Regel unterstreicht Körpersprache das gesprochene Wort. Stehen jedoch nonverbale
                   und verbale Kommunikation im Widerspruch, wird im allgemeinen der Körpersprache das
                   größere Gewicht beigemessen, auch um z. B. den Wahrheitsgehalt der verbalen Information
                   zu beurteilen.

                        5 Elemente der Körpersprache

                        5.1 Körperhaltung und -bewegung

                   Rund um Körperhaltung gibt es interessanterweise sehr viele sprachliche Metaphern und
                   Volksweisheiten wie beispielsweise:

                        - ,,mit beiden Beinen auf der Erde stehen" bedeutet Realitätssinn;
                        - ,,einen festen Standpunkt haben" dokumentiert klare und eigentlich unverrückbare
                        Ansichten;
                        - ,,vor jemandem kriechen" heißt eine widerspruchslose, unterwürfige Haltung
                        einnehmen.

                   Das erste, worauf man sein Augenmerk richten sollte, ist die Gewichtsverlagerung. Steht
                   ein Mensch aufrecht oder ist sein Gesicht vor bzw. hinter das Becken verlagert? Hier
                   besagt die körperliche Theorie dasselbe wie der Volksmund: Je gerader jemand steht,
                   desto aufrechter ist seine innere Haltung. So ein Mensch ist weder unsicher (Neigung nach
                   vorne) noch überheblich (Neigung nach hinten). Ein weiterer - sprachlich übertragbarer -
                   Aspekt ist die Offenheit bzw. Geschlossenheit einer Haltung. Damit ist der Hals- und
                   Brustraum gemeint. Weiterhin ist bedeutungsvoll, ob ein Mensch frei steht oder ob er
                   irgendwo eine Stütze sucht. Es gibt Menschen, die sich immer irgendwo anlehnen müssen.

                   Die Körperhaltung ist also ein Ausdruck von Gefühlen und persönlichen Befindlichkeiten. Sie
                   liefert Interpretationshilfen dafür, wie sicher, souverän, überlegen sich jemand fühlt. So
                   spiegelt sich Fröhlichkeit in einer aufrechten, offenen Haltung oder Resignation in einer
                   leicht gebeugten, in sich gekehrten, also optisch eher geschlossenen Haltung wider. Auch
                   die Konzentration auf einen anderen, schlichte Neugier, Irritation oder auch nur
                   Nachdenklichkeit lassen sich leicht ablesen.

                   Ein sehr einprägsames Kennzeichen ist die plötzliche Veränderung der äußeren Haltung -
                   sie spiegelt immer eine plötzliche Veränderung der inneren Haltung wider.

                   Vom sozialen Rang her höhergestellte nehmen Menschen in ihrer Körper- und Sitzhaltung
                   mehr Raum für sich in Anspruch, sie geben sich von der Körperhaltung her offener, weil sie
                   sich für weniger verletzlich halten. Mit der Analyse der Körperhaltung können sehr
                   eindeutige Aussagen über Statusunterschiede getroffen werden können.

                   Auch die Körperbewegungen spielen bei der Gesamtinterpretation eine Rolle. Ein
                   vorgeneigter Oberkörper in einem Gespräch signalisiert Aufmerksamkeit oder den Hinweis,
                   daß jemand etwas sagen möchte, er kann aber auch Skepsis ausdrücken. Mit einem
                   demonstrativen Zurücklehnen wird Desinteresse oder Mißfallen am Thema angedeutet.

                   Die Sitzhaltung und wieviel Raum in Anspruch genommen wird liefert weitere Anhaltspunkte
                   für die Wahrnehmung. Jugendliche wollen z. B. oft signalisieren, daß sie ,,gutem Benehmen"
                   keine Beachtung schenken (wollen) und hiermit ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit für
                   alle sichtbar dokumentieren. Dabei ist häufig zu erkennen, daß das Ignorieren des mit
                   Erziehung erworben Verhaltens einige Überwindung kostet. Andere tun genau das
                   Gegenteil: Sie beschränken sich auf die Sitzkante, lehnen sich nicht gemütlich zurück und
                   setzen ihren Körper damit einer physischen Belastung aus, die eine psychische Anspannung
                   zwangsläufig noch verstärkt und dem Beobachter Unsicherheit, mangelndes
                   Selbstbewußtsein, Nervosität signalisiert.

                   Je mehr jemand dafür sorgt, daß er bequem sitzen kann, desto souveräner gibt er sich.
                   Meistens kommt dieses Selbstbewußtseins bei Zuhörern und Beobachtern an. Eine
                   angespannte Sitzhaltung kann jedoch in Kombination mit krampfhaften Fußbewegungen
                   auch bedeuten, daß jemand weg möchte, weil ihn die Unterhaltung eigentlich nicht
                   interessiert. Ein präziser Beobachter kann ein solches Verhalten registrieren und verbal
                   hinterfragen.

                   Der Gang gehört als Ausdrucksmittel zur Körperbewegung und läuft in gewisser Weise in
                   bezug auf den Ausdruck von Gefühlen synchron zur Körperhaltung. Zusätzlich aber ist ein
                   gehender Körper in Bewegung, so daß man sich fragen kann, wie er diese Bewegung
                   realisiert. Geht ein Mensch zielsicher, sind seine Bewegungen flüssig, geschmeidig,
                   beweglich oder steif und verkrampft?

                   Signalwirkung kann auch die Art haben, wie ein Mensch seine Füße setzt. Eine Person, die
                   das Knie vor den ersten Punkt des Körpers zieht, demonstriert Vorsicht oder eher noch
                   Unsicherheit. Im Gegensatz dazu kann man auch so laufen, daß die Zehen immer
                   vorausgeht. Ein Zehengang hingegen ist meist ein kräftiger, raumeinnehmender Gang. So
                   läuft jemand, der keine Angst hat, vielleicht jemand, der ein klares Ziel vor Augen hat oder
                   auch jemand in Eile. Hier sollte wieder darauf geachtet werden, ob das Körpergewicht vor,
                   über oder hinter dem Becken liegt.

                        5.2 Räumliches Verhalten

                   Der Oberbegriff ,,räumliches Verhalten" beinhaltet neben der Bewegung innerhalb einer
                   räumlichen Anordnung das persönliche Orientierungsverhalten und das Territorialverhalten.
                   Bewegungen in einem Raum sind in erster Linie Interaktionssignale. Man geht auf jemanden
                   zu, weil man sich mit ihm unterhalten oder sich neben jemanden setzen will. Man steht auf
                   oder geht weg und beendet so eine Interaktion.

                   Man schafft also mit dem persönlichen räumlichen Verhalten Rahmenbedingungen für
                   verschiedene Formen der Kommunikation. Hierbei die richtigen Akzente zu setzen, gehört
                   unbedingt zum Repertoire der sozialen Fertigkeiten. Obwohl es beispielsweise nicht unüblich
                   ist, beim intensiven Nachdenken oder einer möglichst kreativen Problemlösung in einem
                   Zimmer auf und ab zu laufen, macht genau dieses Verhalten im Zuge einer unmittelbaren
                   Kommunikation den anderen eher nervös, weil dieser schlecht einschätzen kann, was sich
                   dahinter verbirgt.

                   Ähnliches gilt für den Sitzplatz, den sich jemand an einem Tisch aussucht. In einem
                   Restaurant wird sich zum Beispiel derjenige, der abgesehen von der Bedienung von
                   niemandem angesprochen zu werden wünscht, so hinsetzen, daß er keinen unmittelbaren
                   Blickkontakt hat; sucht er dagegen Gesellschaft wird er - ob bewußt oder unbewußt -
                   dafür sorgen, daß er den größten Teil des Raumes einschließlich der Eingangstür im
                   Gesichtsfeld hat.

                   Weil sich verbale Kommunikation oft im Sitzen abspielt, wird der Begriff
                   Orientierungsverhalten am Beispiel einer Sitzordnung am rechteckigen Tisch sehr deutlich.
                   Ist an einem Tisch keine konkrete Sitzordnung vorgegeben und für einen Neuankömmling
                   nur noch ein Platz frei, dann wählen die meisten Menschen, die Ziel und Zweck der
                   bevorstehenden Kommunikation kennen, übereinstimmend die gleichen Sitzpositionen: Für
                   eine lockere, durchaus intensive, aber angenehme Konversation setzen sich die
                   Gesprächspartner jeweils an der kurzen und langen Seite über Eck. Dabei wird in etwa die
                   Hälfte des Tisches für sich selbst in Anspruch genommen (Intimzone).

                   In Verhandlungssituationen zeigen Sitzpositionen zusammen mit den räumlichen Zonen
                   beispielsweise, wie die Beziehung gestaltet werden soll. Falls es unter Berücksichtigung
                   von Raum und Mobiliar die Möglichkeit überhaupt gibt, ist es nicht unüblich, daß Menschen
                   im Laufe einer Unterhaltung ihre Sitzpositionen verändern, näher an jemanden heran- oder
                   abrücken. Ganz generell kann gesagt werden, daß zu große Zonen Unsicherheit schaffen,
                   weil zu wenig Kontakt möglich ist. Ist dagegen der Abstand zu klein, entsteht das der
                   Beengtheit. Das irritiert und führt zu Nervosität und Konzentrationsschwierigkeiten im
                   Gespräch.

                   Auch der Winkel, in dem die beiden oder auch mehrere Gesprächspartner zueinander
                   stehen, spielt eine große Rolle. Findet der Kontakt nicht frontal statt, wird das
                   Überschreiten einer Zone als nicht so gravierend wahrgenommen. Die
                   Persönlichkeitsstruktur beeinflußt das Verhalten in diesem Punkt ebenfalls. Introvertierte
                   Menschen halten größere Zonen aufrecht und grenzen sich mehr ab als extrovertierte.

                   Das gesamte zwischenmenschliche Leben spielt sich in vier Kreisen rund um das Individuum
                   ab:
                   - Intimzone,
                   - persönliche Zone,
                   - soziale Zone,
                   - öffentliche Zone.

                   Je nachdem, wie gut man jemanden kennt und wie nahe er steht, desto näher läßt man ihn
                   äußerlich an sich heran. Unterläuft jemand in einer bestimmten Gesprächssituation die ihm
                   zugeordnete Zone führt das zu Irritationen und wirkt sich damit auf die gesamte
                   Kommunikationssituation negativ aus.

                   Das Territorial- oder Revierverhalten ist ein weiterer wichtiger Aspekt des räumlichen
                   Verhaltens. In der Regel brauchen Menschen für die Regulierung ihres seelischen
                   Gleichgewichts Rückzugsmöglichkeiten. Dies ist zuallererst die eigene Wohnung (,,my home
                   is my castle"). Simpel betrachtet hat diese vier Wände, in die man sich beruhigt
                   zurückziehen kann. In der Wohnung gibt es normalerweise Räume, die Besuchern
                   zugänglich gemacht werden, und andere, die man nur selbst betreten darf.

                   Das, was unter der Überschrift ,,Räumliches Verhalten" als Territorialverhalten beschrieben
                   ist, ist insofern weitgehend identisch mit diesen Zonen rund um Individuen.

                        5.2.1 Intimzone

                   Die Intimzone ist die sensibelste Zone, sie reicht normalerweise etwa eine halbe
                   Armeslänge von uns. Die Bedingung, unter der wir jemanden freiwillig in unsere Intimzone
                   eintreten lassen, ist Vertrauen. Jemand, der die unsichtbare Grenze überschreitet, löst
                   Unlustgefühle bei uns aus.

                   Diese Zone schließt selbstverständlich den eigenen Körper als Tabuzone ein. Diese große
                   Nähe hat die Besonderheit, daß man einen Menschen mit allen zur Verfügung stehenden
                   Sinnen wahrnehmen kann. Sie können ihn berühren, im wahrsten Sinne des Wortes spüren,
                   beispielsweise seine Körperwärme, und sogar - mit positiven oder negativen Auswirkungen
                   - riechen.

                   Darüber hinaus gibt es in der Intimzone intensiven Blickkontakt. Außerdem darf und muß
                   man gegebenenfalls leise reden, was wiederum die Intimität erhöht. Letzteres gilt auch,
                   wenn Sie sich jemandem nähern, um leise reden zu können, weil der Umstand, daß eben
                   diese Botschaft nur für denjenigen bestimmt ist, ebenfalls schon einen besonderen Grad
                   von Vertrautheit schaffen kann.

                   Zu unterscheiden ist dabei zwischen der von einer oder von beiden
                   Kommunikationspartnern angestrebten Vertrautheit einerseits und der Nähe, die manchmal
                   von beruflichen Notwendigkeiten bestimmt wird, andererseits. Jemand, der die Intimzone
                   eines anderen mißachtet, mißachtet gleichzeitig auch die Person. Deswegen behandelt man
                   eine Person, der man notgedrungen zu nahe kommen muß, als körperlich scheinbar nicht
                   vorhanden - als Nicht-Person. Beispielsweise darf ein Mitarbeiter, der seinem Vorgesetzten
                   anhand einer Unterlage etwas zeigen muß, ungestraft in die Intimzone eindringen, so daß
                   sogar eine Berührung nicht ausgeschlossen ist.

                   Je höher der Status einer Person, desto größer wird die Intimzone, die andere ihm
                   zugestehen. Beispielsweise betrachtet ein (erfolgreicher) Manager sein gesamtes Büro als
                   intime Zone, deswegen gestattet er den Eintritt auch nur mit ausdrücklicher Erlaubnis.
                   Daher ist auch das oft beobachtbare Verhalten zu erklären, daß Klienten in der offenen Tür
                   mit der Klinke in der Hand stehenbleiben: So ist die Grenze der Intimzone noch nicht
                   verletzt.

                        5.2.2 Persönliche Zone

                   Die persönliche Zone hat einen Radius zwischen einem halben und anderthalb Metern. In
                   diese Zone werden in der Regel Menschen gelassen, die man sehr gut kennt, z. B. Freunde,
                   Verwandte. Die normale Lautstärke ist geboten, und Sie können jemanden auch noch
                   berühren, beispielsweise, um Übereinstimmung oder Zugewandtheit zu dokumentieren. Der
                   Gegenüber wird in einem größeren Spektrum wahrgenommen, als das in der Intimzone
                   möglich ist. Je weniger jemand vertraut ist, desto mehr kann dieses Spektrum zur
                   Meinungsbildung beitragen.

                   In seine persönliche Zone läßt man freiwillig all jene Personen hinein, mit denen man nicht
                   so intim ist, daß sie die Intimzone betreten dürfen, die aber auch nicht so fremd sind, daß
                   sie in der nächstweiteren (sozialen) Zone verbleiben müssen.

                        5.2.3 Soziale Zone

                   Die soziale Zone (zwischen anderthalb und vier Metern) liegt, dokumentiert eine
                   unpersönliche Beziehung zueinander. Sie ist für soziale Kontakte oberflächlicherer Art
                   reserviert, z. B. Kollegen, Vorgesetzte. In der sozialen Zone kann man durch diese
                   Entfernung Macht und Differenzen zwischen Personen gut zum Ausdruck bringen, indem
                   man jemanden zwingt, eine Aussage entsprechend laut zu machen oder eine Antwort zu
                   wiederholen, damit sie alle verstehen können.

                   Diese Entfernung ist häufig damit verbunden, daß noch zusätzlich Gegenstände wie Tische
                   oder Stühle zwischen den kommunizierenden Personen stehen und die Sachlichkeit im
                   Umgang miteinander zusätzlich untermauern.

                        5.2.4 Öffentliche Zone

                   Hinter der sozialen Zone beginnt die öffentliche Zone. Ab einer Entfernung über acht
                   Metern ist die verbale Kommunikation ohne technische Unterstützung deutlich
                   eingeschränkt. Allerdings kann diese Zone - z. B. mit Hilfe von Kameras - bis ins Unendliche
                   reichen.

                        5.3 Mimik

                   Mimik umfaßt Gesichtszüge, Augenkontakt und Blickrichtung sowie Kopfbewegungen.
                   Einzelne Ausdrucksformen sind als psychosomatische Auswirkungen des Nervensystems
                   jedoch nicht zu beherrschen, diese Reaktionen erfolgen unwillkürlich. Dazu gehören das
                   Blaßwerden und besonders die Erweiterung der Pupillen bei starken emotionalen
                   Erregungen.

                   Die Mimik eines Menschen ist ein sehr ausdrucksstarkes Element der Körpersprache. Meist
                   wird ihr aber ein zu hoher Stellenwert in der tatsächlichen Aussagekraft beigemessen. Die
                   Mimik unterliegt in einem außerordentlichen Umfang der persönlichen Kontrolle, da
                   insbesondere das Gesicht während der Kommunikation genau beobachtet wird. Weil das so
                   ist, versucht man, diesen Gefühlsausdruck so stark wie möglich unter Kontrolle zu halten.

                   Mimik ist ein Medium der Kommunikation, das schon im Säuglingsalter deutlich verstanden
                   wird. Babies können frühzeitig vertraute Gesichter erkennen und auf sichtbare Stimmungen
                   reagieren. Dies offenbart sich deutlich in der Entwicklungsphase, während derer das Kind
                   schreit, wenn sich ein fremdes Gesicht zum Baby beugt, egal wie freundlich dieses Gesicht
                   ist.

                   Zur Deutung bzw. Kategorisierung der Mimik gibt es gegenläufige wissenschaftliche
                   Strömungen:

                        - nach den inhaltlichen Mitteilungen wie Freude, Überraschung, Interesse, Trauer,
                        Furcht, Wut, Ekel, Verachtung, die zu den vermutlich angeborenen Ausdrucksformen
                        gehören, da sie bei allen Kulturen in gleicher Weise ausgedrückt und interpretiert
                        werden, oder

                        - nach den grundlegenden Gesichtsbewegungen wie Augenbrauenbewegungen,
                        Lidpositionen, Mundstellungen etc.

                   Ohne die o. g. Kontrolle hat Mimik die Funktion, den Gefühlszustand auszudrücken und ihn
                   dem Gegenüber zu übermitteln. Die Mimik macht deutlich auch, welche Einstellung man
                   gegenüber dem Gesprächspartner hat.

                   Darüber hinaus stellt sie eine permanente Rückmeldung zum gesprochenen Wort dar: ob
                   der verbale Teil verstanden wurde, ob der andere zustimmt oder eher ablehnend oder
                   überrascht reagiert. Waagerechte Stirnfalten deuten an, daß die Aufmerksamkeit stark in
                   Anspruch genommen ist. Senkrechte Stirnfalten deuten darauf hin, daß die gesamte
                   Aufmerksamkeit mit starker Konzentration auf etwas (jemand) gerichtet ist.

                        5.4 Gestik

                        5.4.1 Äußere Erscheinung

                   Die äußere Erscheinung hat eine (fast zu) große Bedeutung für den ersten Eindruck. Je
                   nachdem, welche Wertigkeit Kleidung und Aussehen für den Beobachter haben, werden
                   unter Umständen schon damit die Weichen für die eigenen nonverbalen Äußerungen
                   gestellt. Eine solche Wertung ist allerdings begrenzt akzeptabel, da die äußere Erscheinung
                   tatsächlich viel über das Selbstverständnis des Betreffenden aussagt: Ob er sich durch die
                   Kleidung oder Haartracht einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlt, wie er sich selbst sieht
                   beziehungsweise gesehen werden möchte, über Lebensumstände und Status und nicht
                   zuletzt über seine Persönlichkeit.

                   Zur äußeren Erscheinung zählen die Kleidung, Abzeichen, Schmuck, Frisur, Aussehen der
                   Haut, Make Up, Körperfigur usw. Alles zusammengenommen hat tatsächlich einen gewissen
                   Aussagewert, weil die genannten Dinge in einem erheblichen Umfang beeinflußbar sind und
                   in der Regel der persönlichen Kontrolle unterliegen.

                   Im Zuge selektiver Wahrnehmung werden sogar von besonders markanten äußeren
                   Merkmalen andere menschliche Eigenschaften abgeleitet. Eines der (für den Träger)
                   angenehmeren Beispiele ist die Brille; Brillenträger gelten oft als intelligent: die Brille als
                   teures Instrument war - wie Bildung auch - Wohlhabenderen vorbehalten, außerdem wurde
                   Kurzsichtigkeit als Resultat vielen Lesens angesehen.

                   Dabei kann der Einfluß von solchen Zeichen der Gruppenzugehörigkeit so weit gehen, daß
                   sich Menschen - beispielsweise in einer Uniform - anders verhalten als ohne sie. Manche
                   Berufe werden eben deshalb gewählt, weil eine Uniform einen gewissen Status verleiht.
                   Eine zusätzliche Komponente vieler Uniformen sind die Körpergröße erhöhende Helme oder
                   auffällige Mützen, die diese Personen noch respektabler erscheinen lassen.

                   Auch nicht der persönlichen Kontrolle unterliegende körperlichen Merkmale können bei
                   anderen zu unmittelbaren Reaktionen führen. Vergleichbar den kulturellen Vorurteilen,
                   haben die meisten Menschen ein Schubladendenken in bezug auf die äußere Erscheinung:
                   Dicke gelten als gemütlich, athletisch gebauten Menschen wird Selbstsicherheit und
                   Durchsetzungsvermögen unterstellt.

                        5.4.2 Gesten

                   Gestik wird im Alltagsdenken, vielleicht weil sie selbstverständlich erscheint, im Rahmen des
                   Gesamteindrucks von Körpersprache weniger beachtet und (unbewußt) ausgewertet. Es
                   gibt kaum gesicherte Erkenntnisse, ob es angeborene Gesten gibt, die bestimmte
                   Gefühlszustände zum Ausdruck bringen. Der größte Teil wird anscheinend im kulturellen
                   Umfeld erlernt.

                   Gestik wird vor allem zur Untermalung des verbalen Inhaltes benutzt. Je stärker die Gefühle
                   angesprochen werden, desto akzentuierter wird auch die Gestik.

                   Sehr deutlich wird dies beim Telefonieren: Obwohl der Gesprächspartner die Gestik nicht
                   wahrnehmen kann, macht man sehr häufig Hand- oder Fingerbewegungen. Genauso werden
                   Hände und Arme benutzt, wenn für einen Gegenstand nicht sofort die richtige
                   Beschreibung parat ist.

                   Daneben gibt es die Gesten, die eine Aussage konkretisieren oder abrunden sollen. Sagt
                   also beispielsweise eine Frau zu ihrem Mann: ,,Gib mir noch einen Abschiedskuß", will dabei
                   aber ihren frisch aufgetragenen Lippenstift retten, wird sie mit der Hand und ihrem
                   ausgestreckten Zeigefinger beispielsweise auf ihre linke Wange zeigen und dabei
                   gleichzeitig den Kopf entsprechend geneigt vorstrecken.

                   Mit Händen und Armen kann man: ablehnen, abwarten, abwehren, angreifen, auf etwas
                   zeigen, Aufregung ausdrücken, beeindrucken, Begeisterung äußern, bremsen,
                   demonstrieren, einladen, Freude zeigen, identifizieren, konkretisieren, Nachdenklichkeit
                   signalisieren, Nervosität verraten, Punkte setzen, relativieren, Schlußstriche ziehen,
                   Sympathie bekunden, übereinstimmen, ungeduldig sein, untermauern, werben,
                   Zufriedenheit bekunden, zurückhalten und so weiter...

                   Diese (unvollständige) Aufzählung zeigt, daß Gesten auch unbeabsichtigt Gefühlszustände
                   zum Ausdruck bringen. Beispiele dafür können

                        - Fingerspiele oder das Spielen an Gegenständen als Ausdruck von Nervosität,

                        - das Umklammern von Dingen als Ausdruck verhaltener Wut,

                        - das Streicheln von fühlbar angenehmen Gegenständen als Zeichen von Einsamkeit,

                        - das Ballen der Faust als Ausdruck von Aggression,
                        - das Pressen der Augen über der Nasenwurzel als Signal von Müdigkeit und
                        Erschöpfung,

                        - das Kratzen am Kopf für Ratlosigkeit oder

                        - das Hochwerfen der Arme für Begeisterung sein.

                   Einzelne Gesten können sogar so klar definiert sein, daß sie die verbale Kommunikation
                   punktuell oder vollständig ersetzen. Diese Definitionen müssen natürlich - wie auch
                   Sprache - gelernt werden und sind deswegen auf Gruppen von Menschen bis hin zu
                   Kulturkreisen beschränkt. Beispiele dafür sind:

                        - die vertikal vorgestreckte Faust mit erhobenem Daumen für ,,alles in Ordnung",

                        - die Zeichensprache innerhalb militärischer Einheiten sowie

                        - die Gebärdensprache der Hörgeschädigten.

                   Gestik wird nur in sehr geringem Maße kontrolliert. Deswegen ist die Gestik gut dazu
                   geeignet, während einer Unterhaltung herauszufinden, ob jemand etwas vortäuscht. Auch
                   der Wahrheitsgehalt der verbalen Aussage läßt sich durch bewußte Wahrnehmung der
                   Gestik mit größerer Wahrscheinlichkeit abschätzen.

                   Da gerade die bildliche Untermalung einer Beschreibung mehr oder weniger automatisch
                   erfolgt, kann eine fehlende Gestik bei einer dramatischen Urlaubsbegebenheit oder einem
                   anderen wirklich eindrucksvolle Ereignis darauf hinweisen, daß derjenige die Sache nicht
                   selbst erlebt hat und damit auch gestisch nicht konkretisieren kann. Besonders große
                   Begeisterung kommt ohne Gestik kaum aus.

                   Wie unwillkürlich Gestik in den meisten Fällen ist, merkt man am besten bei dem Versuch,
                   sich mit einer vorgegebenen Stellung der Hände zu zwingen eine Kommunikation über ein
                   bestimmtes Thema zu führen.

                        5.5 Blickkontakt

                   Der Blickkontakt ist unser wichtigstes Gefühls- und Stimmungsbarometer für andere, was
                   selbstverständlich auch Informationen wie Überraschung oder Erschrecken, Staunen,
                   Ängste oder Verlegenheit beinhaltet. Mit den Augen nimmt man in der Regel zuerst wahr,
                   wenn notwendig alarmieren sie unmittelbar unseren Verstand.

                   Auch eine gewisse Anspannung im Sinne von Unsicherheit oder dem Bewußtsein einer
                   heiklen Situation schlägt sich in wesentlich häufigeren Blickkontakten mit kurzer Blickdauer
                   nieder. Bei kaum einem anderen Element der Körpersprache gibt es so viele feststehende
                   Redewendungen wie: ,,Das war Liebe auf den ersten Blick!" oder: ,,Wenn Blicke töten
                   könnten."

                   Die Interaktion zwischen zwei Menschen beginnt in der Regel mit einem längeren
                   Augenkontakt, der prüft, ob der andere überhaupt zu einem Kontakt bereit ist. Die erste
                   Phase ist dadurch gekennzeichnet, daß man sich und dem anderen die Option offenhält,
                   den Kontakt weiterzuführen beziehungsweise eine Unterhaltung zu beginnen. Diese
                   Möglichkeit wird dadurch überprüft, indem derjenige, der die Unterredung wünscht,
                   beispielsweise fragt, ob er stört. Während dieser ersten Momentaufnahmen läßt sich der
                   Kontakt dann noch weitgehend problemlos und ohne Verärgerung abbrechen, während dies
                   zu einem späteren Zeitpunkt nur noch mit glaubhaften Erklärungen möglich sein wird.

                   Die meisten Menschen sehen deswegen, wenn sie ein Gespräch beginnen, zunächst noch
                   einmal weg, um die Chance zur Kontaktverweigerung zu unterstreichen. Augenkontakt im
                   Sinne von Kontrollblicken stellt einen wesentlichen Aspekt der erfolgreichen
                   Gesprächsführung dar.

                        5.6 Tonfall

                   Ohne den Tonfall wären verschiedene Arten der Kommunikation nicht möglich. So wird der
                   Unterschied zwischen einem Befehl oder einer Frage durch die Stimmodulation angezeigt.
                   Der Tonfall liegt im Grenzbereich zwischen verbaler und nonverbaler Sprache und ist eine
                   Interpretationshilfe für Worte und Aussagen.

                   Die Reaktion auf den Tonfall einer Aussage, kann sehr intensiv sein, so daß es nicht selten
                   Auseinandersetzungen über den Inhalt gibt. Der Inhalt des Satzes kann völlig harmlos
                   gewesen sein, aber eine unangebrachte Betonung (oft in Verbindung mit anderen
                   körpersprachlichen Signalen), kann zu ernsten Konflikten führen.

                   Gerade in sprachlich heiklen Situationen, wenn man jemanden professionell kritisieren muß,
                   wird vielfach mehr auf den Ton gehört als auf die einzelnen Worte - vor allem aber auf die
                   Übereinstimmung von beiden. Da es bei jeder Kommunikation eine Sach- und eine
                   Beziehungsebene gibt, wird verbal und nonverbal auf unterschiedlichen Kanälen gesendet
                   und dann überwiegt die Beziehungsebene.

                   Insbesondere beim Tonfall entstehen die meisten Vorverurteilungen, die zum Problem der
                   selektiven Wahrnehmung führen. Bei einem durch einen falschen Tonfall hervorgerufenen
                   Streit, werden die Worte im Nachhinein sozusagen zum - tatsächlichen oder vermeintlichen
                   - Tonfall passend gemacht: Hat sich ein Satz vorwurfsvoll oder autoritär angehört, hat
                   derjenige anschließend einen Satzbau und Worte in Erinnerung, der mit dem tatsächlich
                   Gesagten nicht übereinstimmt.

                   Der Sprachrhythmus hat kaum Informationswert, fällt aber sofort (unangenehm) auf, wenn
                   er den Erwartungen nicht entspricht, während die Sprachmelodie zahlreiche
                   Informationseinheiten beinhaltet, und zwar sowohl auf der Inhalts- als auch auf der
                   Beziehungsebene.

                   Schließlich können auch von der Lautstärke eines Gespräches Statusunterschiede
                   abgeleitet werden. Unsichere Menschen sprechen eher leise und erkennbar vorsichtig, und
                   signalisieren damit, daß sie bei einem Irrtum jederzeit zum Rückzug des Gesagten bereit
                   sind. Ranghohe Menschen - nach Position oder sozialer Schicht - sind eher lautstark. Je
                   sicherer jemand ist, desto klarer wird die Aussprache einzelner Worte im allgemeinen sein.

                        6 Inkongruenz

                   Wenn ein Mensch körpersprachliche Signale sendet, die nicht zur verbalen Aussage
                   passen, verhält er sich körpersprachlich inkongruent. Diese Inkongruenz erhält besondere
                   Bedeutung, wenn jemand einen anderen nachahmt, also ein Vorbild imitiert. Der
                   Betreffende verhält sich für Beobachter unnatürlich.

                   Auch Unsicherheit führt häufig zu Inkongruenz, die jedoch leicht falsch interpretiert werden
                   kann.

                   Oft bleiben innerhalb des Gesprochenen wichtige zusätzliche Informationen
                   unausgesprochen, oder es gibt gar einen Widerspruch zwischen dem Gesagten und dem
                   Gemeinten, was Verwirrung und Mißverständnisse stiftet. Wenn man inkongruente Signale
                   wahrnimmt, erfährt man lediglich, daß eine Inkongruenz stattgefunden hat, man weiß aber
                   noch nicht, worauf diese zurückzuführen ist.

                   Deswegen sollte jeder "er selbst" sein. Nur wenn verbale und nonverbale Kommunikation im
                   Einklang stehen, wirkt sie überzeugend.

                   Quellenverzeichnis:

                        Arnold, Eysenck, Meili [Hg.] ,,Lexikon der Psychologie", Bechtermünz Verlag,
                        Augsburg 1997

                        Vera F. Birkenbihl ,,Signale des Körpers: Körpersprache verstehen",
                        mvg-Verlag, Landsberg am Lech 1997 - 12. Auflage

                        Renate Ibelgaufts ,,Körpersprache wahrnehmen, deuten und anwenden", Augustus
                        Verlag, Augsburg 1997

                        David Krech u. a.; Hellmuth Benesch [Hg.] ,,Grundlagen der Psychologie", Beltz
                        Psychologie Verlags Union, Weinheim 1992 - Studienausgabe

                        Samy Molcho ,,Körpersprache als Dialog", Mosaik Verlag, München 1988

                        Samy Molcho ,,Körpersprache", Mosaik Verlag, München 1983

                        Julius Fast ,,Körpersprache", Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei
                        Hamburg 1979